Der 42 Tore-Mann vom Piepenbusch!

Artikel vom 1. August 2025
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Die SSG Halvestorf ist wieder in der Landesliga. Sehr großen Anteil daran hat jemand, der eigentlich gar nicht mehr kicken wollte: Robin Tegtmeyer. Im Sommer 2024 schloss sich der Ex-Tünderaner den Halvestorfern an. Das Ziel: die Bezirksmeisterschaft. In einer turbulenten Saison war der mittlerweile 35-Jährige eine der Konstanten, dank denen die SSG letztlich den direkten Wiederaufstieg schaffte. Mit 42 Treffern brach die „Tormaschine“ ihren eigenen Torrekord – eine Wahnsinnszahl. Wir haben uns mit „Robsi“ über die Meisterschaft, die lange nach keiner aussah sowie die aktuelle Landesliga-Saison unterhalten.
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Robin, in der bisherigen Saison ist die SSG Halvestorf in der Landesliga als eine Mannschaft der Extreme aufgefallen: 6:1 gegen Barsinghausen, 6:1 gegen Tündern, 7:1 gegen Bruchhausen-Vilsen. Im Gegenzug: 1:5 gegen OSV Hannover, 0:4 gegen Bavenstedt. Worin siehst Du die Gründe für Eure extremen Leistungsschwankungen?
„Neuer Trainer, neue Liga, viele neue Spieler und viel Veränderung. Darunter viele sehr junge Spieler, die den Herrenbereich, geschweige denn diese Liga, noch nicht kannten. Das benötigt etwas Zeit. An den hohen Siegen kann man gut erkennen, dass die Qualität da ist, die Niederlagen haben aber auch unheimlich viel zum Lernen aufgezeigt. Was uns in der Hinrunde im Allgemeinen aber bewusst geworden sein sollte, ist, dass es in der Liga weiterhin keinen Schönheitspreis gibt.”
„Gerade in der Hinrunde hatten wir viel Verletzungspech und auch mit einer guten Mannschaft ist ein souveräner Aufstieg nicht garantiert. Bei vielen Spielen in der Hinrunde waren wir in der Breite nicht besonders gut aufgestellt. Einiges musste sich auch erstmal finden. Für mich waren wir daher nicht immer so sehr der Favorit, wie das viele sehen wollten. Sören war ja schon immer nah dabei und hat auch immer mal Einheiten komplett übernommen, ist dann einfach sehr unaufgeregt an die Sache rangegangen und hat mit seiner ruhigen und sympathischen Art nach der etwas unruhigen Zeit wieder eine gewisse Entspanntheit und Ruhe reingebracht. Er hat grundsätzlich gar nicht viel umgeworfen, sondern eher punktuell Dinge angepasst, die er in der Situation für richtig gehalten hat, und das hat gut gepasst.”
Im Sommer wurde mit Artjom Grincenko ein Trainer geholt, der gerne mit jungen Spielern arbeitet. Zusätzlich sind zahlreiche Talente aus der Region an den Piepenbusch gewechselt. Wie hast Du diesen Umbruch erlebt?
„Man kann sich darüber sehr glücklich schätzen, so viele gute junge und zudem auch sympathische Jungs dazugewonnen zu haben. Dadurch hat man eine gute Basis. Wir haben eine gute Mischung aus jung und alt, die sich gut versteht. So ein Umbruch bedeutet aber auch viel Arbeit und Herausforderungen und man braucht einfach etwas Geduld, um daraus zu schöpfen. Manchmal habe ich das Gefühl, manch einer weiß noch gar nicht, wie gut er eigentlich ist und dass er noch viel mehr machen und auch viel mehr für sich persönlich herausholen kann. Der ein oder andere kann auf jeden Fall noch ordentlich zulegen, muss aber auch wollen.”
In dieser Phase warst Du überdies als spielender Co-Trainer bei BW Tündern im Gespräch. Was hat Dich zu einem Verbleib bei den Halvestorfern bewogen?
„Zunächst einmal, weil ich mich wohlfühle. Ich habe in Halvestorf viele tolle neue Leute kennengelernt und fühle mich auf und neben dem Platz wohl. Zudem bin ich zu Halvestorf gegangen, weil es für mich nach der Fußballpause eine spannende neue Herausforderung war. Mit dem Aufstieg und meiner eigenen Bestmarke an Toren hat es sich, denke ich, auch gelohnt. Diese Saison ist die Aufgabe dahingehend spannend, mitzuarbeiten, eine gefestigte Landesliga-Mannschaft zu werden. Nach etwas Überlegung habe ich für mich auch erstmal festgestellt, dass ich am Fußballspielen noch zu viel Spaß habe und das Trainerdasein in welcher Form auch immer noch etwas warten muss bzw. fraglich ist, ob es überhaupt etwas für mich ist.”
Ohnehin überraschte Dein Wechsel zu den Halvestorfern im Sommer 2024. Zu diesem Zeitpunkt hattest du deine kompetitiven Schuhe an den Nagel gehängt und nur noch punktuell, primär bei der zweiten Herren, ausgeholfen. Was hat Dich damals dazu bewogen, Dich der Herausforderung bei einem der ärgsten Lokalkonkurrenten zu stellen?
„Ich hatte zuvor echt eine lange Zeit komplett die Nase voll vom Fußball und wollte davon auch nicht mehr viel sehen. Dann habe ich etwas unfit wieder bei der Zweiten von Tündern angefangen und es hat eine Menge Spaß in der Truppe gemacht. Die Idee, in Halvestorf nochmal was ganz Neues und auch etwas Ungewisses zu machen, war einfach spannend und auch eine Herausforderung an mich selbst: Kann ich mich nach der Pause wieder fit machen und was kann ich dann beitragen? Darüber hinaus seh ich dieses verkrampfte vereinstechnische Konkurrenzdenken seit langer Zeit schon eher kritisch und es interessiert mich auch nicht, eher nervt es mich, wenn es übertrieben wird. Weiterhin wünsche ich Tündern nur das Beste und hoffe, dass deren Rückrunde erfolgreicher wird.”
17 Eurer insgesamt 30 bisherigen Saisontore stammen von Alexander Manka (8) und Dir (9). Ist die SSG Halvestorf zu abhängig von ihren beiden offensiven Topspielern?
„Das finde ich immer schwierig zu beantworten. Ich glaube aber nicht, dass wir zu abhängig sind. Grundsätzlich ist es eher positiv zu sehen, wenn man relativ konstante Torschützen hat und dann auch gleich zwei davon. In dem einen oder anderen Spiel haben wir uns insgesamt etwas schwergetan, vorne kreativ Chancen herauszuspielen. Das müssen wir einfach verbessern. Wichtiger ist meiner Meinung nach auch, dass wir als gesamte Mannschaft wieder besser verteidigen und weniger Gegentore bekommen, das haben wir am Anfang der Saison richtig gut gemacht. Nach vorne haben wir dann glaub ich genug Power gegen jeden Gegner.”
Ihr überwintert auf dem ersten Nicht-Abstiegsplatz, punktgleich mit der roten Zone. Warum haltet Ihr am Ende dennoch souverän die Klasse?
„Zunächst einmal haben wir erst 14 Spiele absolviert und die letzten drei ausgefallenen Spiele wären gegen direkte Konkurrenten von unten gewesen. Die muss man gewinnen, wenn man in der Klasse bleiben will, und ich bin überzeugt, die hätten wir auch geholt, denn die Qualität haben wir. Mit den Punkten auf dem Konto hätte es jetzt schon etwas anders ausgesehen. Für die Rückrunde sollte das aber Antrieb und Motivation sein, da unten schnellstmöglich wegzukommen. Das Team besitzt auch den entsprechenden Charakter, die Stimmung ist gut und die Qualität dazu ist wie beschrieben meiner Meinung nach da.”
Wie schätzt Du Deine persönliche sportliche Zukunft ein – wie lange dürfen wir Torjäger Tegtmeyer noch auf den Sportplätzen in der Region bei der Arbeit zuschauen?
„Das hängt etwas davon ab, wie konkurrenzfähig ich selbst bleibe, wie gut es weiterhin körperlich geht und ob und wie viel Spaß mir das Ganze macht. Ich investiere nämlich viel Zeit und Energie, um fit zu bleiben. Mit fast 35 ist das leider nicht ganz unwichtig. Nochmal komplett verschwinden werde ich aber wohl nicht. Um ehrlich zu sein, werde ich mir jetzt aber in Ruhe Gedanken machen, wie intensiv ich den Sport weiterhin betreiben will. Kann gut sein, dass ich nach der Saison etwas ruhiger mache, es ist aber nichts entschieden.”
